Es ist keine Schande nichts zu wissen,
wohl aber nichts lernen zu wollen.

Sokrates

 

 

Anforderungen ändern - Ressourcen stärken - Erschöpfung bewältigen


 

Mit dem Kapitel Die Erschöpfungskrise des Erwachsenen sollte verdeutlicht werden, dass die stressbedingte Erschöpfung des Erwachsenen kein einzeln auftretendes Problem ist, sondern ein vermehrt wahrgenommes Phänomen ist. Damit ist es eine Herausforderung für den Einzelnen, als auch für uns als Gesellschaft insgesamt.

Mit dem Kapitel Erschöpfung erkennen wurden die möglichen zahlreichen Anforderungen in unserem Lebensgarten aufgeführt. Gleichzeitig wurden auch die möglichen zahlreichen Ressourcen, die wir als Erwachsene  brauchen bzw. zur Verfügung haben, verdeutlicht. Wir sahen, dass das Stress- bzw. Erschöpfungserleben des Erwachsenen durch ein sensibles  Zusammenspiel von Anforderungen und Ressourcen beeinflußt wird, welches vier Komponenten beinhaltet:

 

  • durch die zwei Komponenten der äußeren Anforderungen und äußeren Ressourcen (das Lebensumfeld/Setting)

 

  • durch die zwei Komponenten der inneren Anforderungen und inneren Ressourcen (Inneres Erleben/Innenwelt)

 

 

Lebensumfeld

Innenwelt

A

Äußere Anforderungen

Innere Anforderungen

R

Äußere Ressourcen

Innere Ressourcen

 

Ebenso sahen wir: wenn die Summe der äußeren und inneren Anforderungen beim einzelnen Erwachsenen dauerhaft größer sind bzw. als größer empfunden werden als die Summe der äußeren und inneren Ressourcen, wenn also A__>R ist, besteht die Gefahr an einer Erschöpfungsdepression zu erkranken oder gar die Identität Eines-vom-Leben-Überwältigten zu entwickeln, bei der auf nahezu jede größere Herausforderung mit Ohnmacht, Angst und Hilflosigkeit reagiert wird > Die Dosis macht das Gift - Vom Eustress zum Distress.

 

 

Anforderungen verringern - Ressourcen würdigen und stärken

Wie könnte  nun ein möglicher Weg aussehen, damit die Anforderungen und Ressourcen für den erschöpften Erwachenen in ein gesünderes Gleichgewicht kommen - gerade auch zur Prävention von Dauerstress und Erschöpfungssyndromen?

Wie ist es dem unter einer Erschöpfungskrise leidenden einzelnen Erwachsenenen möglich, die Identität eines Überwinders zu entwickeln, der sich dem Leben im Allgemeinen gewachsen fühlt und der - unabhängig von der gegenwärtigen Lebenssituation - das Grundempfinden hat, dass die Summe seiner Ressourcen größer sind als die Summe seiner Anforderungen (R__>A)?

Gibt es einen Weg für den erschöpften Erwachsenen vom A__>R zum  R__>A zu kommen?

Anknüpfend an die vier Komponenten des systemischen Anforderungs-Ressourcen-Modells von Peter Becker lassen sich folgende mögliche Wege für den Einzelnen als auch für die Gesellschaft als solches aufzeigen, um die Gesundheit des Erwachsenen zu fördern und damit der allgemeinen Erschöpfungskrise des Erwachsenen abzuhelfen.

 

Für das Lebensumfeld/Setting des Erwachsenen

 

  • Anpassung, Einflußnahme auf die externen Anforderungen z.B. auf die Arbeitsumgebung, das Wohnumfeld etc

 

  • Bereitstellung und Nutzung externer Ressource z.B. durch Beratungsstellen, Erholungsorte, Wohnung, geeigneter Arbeitsplatz etc

 

Für die Innenwelt des Erwachsenen

 

  • Berücksichtigung der internen Anforderungen des Erwachsenen z.B. durch eine allgemeine Wertschätzung der menschlichen Grundbedürfnisse, durch die persönliche Korrektur alter krankmachender Lebenseinstellungen

 

  • Wertschätzung und Vergrößerung der internen Ressourcen z.B. durch ressourcenorientierte wertschätzende Beratung für Erwachsene, Stärkung von Alltags- und Reifekompetenzen, durch persönliche Entwicklung von Resilienz und Gottvertrauen

 

"Im Rahmen des SAR-Modells (Systemisches Anforderungs- Ressourcen-Modell) kann Gesundheitsförderung charakterisiert werden als Verbesserung der Vorraussetzungen zur Bewältigung externer und interner Anforderungen mithilfe externer und interner Ressourcen" (Becker, Peter; 2006, S. 14)

 

Als Einzelner an der Krise reifen

Die nachfolgende Idee vom Lebensgärtner sein - Als Mensch reifen bezieht sich zunächst auf mögliche Wege zur Stressvorbeugung und Stressbewältigung für den einzelnen Erwachsenen, das Individuum. Wie kann der einzelne Erwachsene an seiner Erschöpfungskrise reifen und mit neuen, gesünderen Sichtweisen daraus hervorgehen? Was kann der Einzelne tun, um seine Gesundheit zu fördern und damit seine Erschöpfungskrise zu überwinden?

Dafür stelle ich den erwachsenen Lebensgärtner (eLG) als kostbare Ressource vor. Er will seinen Lebensgarten bestellen und an seiner Krise reifen. Er hat dabei alle vier Einflußkomponenten - seine äußeren Anforderungen und Ressourcen, als auch seine inneren Anforderungen und Ressourcen - im Blick und sucht nach Wegen, diese nach seinen Möglichkeiten zu beeinflussen und in ein gutes Zusammenspiel zu bringen.

Im nächsten Schritt wird es praktisch. Anhand des Modells LebenReifeKreislauf© - Die praktischen Schritte werden die fünf konkreten Reifeschritte näher betrachtet, die das Leiden an der (Erschöpfungs-)depression nicht sinnlos machen, sondern dazu dient, als Mensch an dieser Lebensphase persönlich zu reifen und das Erlernte an andere weiterzugeben.

Im Kapitel Praktische Tipps & Tools für den Lebensgarten sind in loser Reihenfolge konkrete Tipps und Anleitungen nachzulesen, die den Einzelnen dabei unterstützen, im Alltag Neues einzuüben bzw. Bewährtes zu würdigen.

 

Als Gesellschaft an der Krise reifen

Im  Abschnitt Erschöpfung ernst nehmen - Als Gesellschaft reifen liegt der Schwerpunkt mehr darauf, was Politik, Forschung, Zivilgesellschaft - kurz die Gesellschaft als solches - für den erschöpften Erwachsenen tun kann in der Stressvorbeugung und Stressbewältigung. Wie können also die externen Anforderungen und externen Ressourcen verändert bzw gestärkt werden?